5. Deutsch-französische Sommeruniversität Saarbrücken–Nantes H2O: Wasser, Leben, Erleben – eau, source, ressource (1)

témoignage d’un Sarrois

Erfahrungsbericht von Wolf Keil

Weißwurst, Rotwurst, Schwenker. Beim Eröffnungsgrillen in der Europa-Jugendherberge Saarbrücken wurde feinste saarländische Kost geboten. Französische und deutsche Teilnehmer langten zu und schienen sich schon nach dem ersten Bier und beim anschließenden Kartenspiel bestens zu verstehen.
„Man kann nicht auseinanderhalten, wer von euch Franzose, wer Deutscher ist“, sollte M. Chateigner, Präsident des CCFA in Nantes, unseren lebhaften Austausch treffend beschreiben: „Ihr seid echte Europäer.“

Neben dem interkulturellen Austausch prägten zahlreichen Vorträge den ersten Programmteil der Sommeruniversität in Saarbrücken.
Zum Auftakt dozierte Herr Dr. Dr. Kühne über Stadtplanung und -entwicklung. In überzeugendem Ton vorgetragen, beeindruckte der Vortrag des Professors an der Saarbrücker Universität die Teilnehmer. Ein Phänomen sollte die jungen Köpfe bis zum Schluss beschäftigen:
Mit „suburban sprawl“ werden sich um Metropolregionen ausdehnende Siedlungsgebiete bezeichnet. Eine Tendenz, die in Los Angeles zu beobachten sei, so Prof. Kühne.
Doch Kenner der französischen Landeskunde wissen um ähnliche Entwicklungen in französischen Vorstädten. „villages dortoirs“ werden Dörfer am Rande von Ballungszentren genannt, die den in der Großstadt arbeitenden Pendlern nur als Schlafstädte und Wochenendresidenz dienen.
So weit hatten es die engagierten Teilnehmer zum Glück nicht, und so sanken die vom Fragen und Diskutieren erschöpften Jugendlichen am Abend des ersten Vorlesungstages glücklich in ihre Betten.
Nicht jedoch, ohne zuvor bei einer Partie Billard und einem guten Bier den Tag Revue passieren zu  lassen. Das Nauwieser Viertel überraschte die Besucher mit einem jungen und dynamischen Publikum. „Du triffst ständig jemanden, den du kennst“, konstatierte Student Julian, „und das selbst in den Semesterferien“.
So fanden die Teilnehmer in Saarbrücken eine warmherzige Landeshauptstadt, die ihre schönen Ecken hat.
Dass man bemüht ist, aus heutiger Sicht unästhetisch wirkende Bauten in der Innenstadt zu erneuern, lernten die Gäste beim Stadtrundgang zum Projekt „Stadtmitte am Fluss“. Der so ehrgeizige wie umstrittene Vorstoß der Stadt Saarbrücken, das Zentrum am Fluss umfassend neu zu gestalten, stieß bei allen Teilnehmer auf positive Resonanz. „Diese Autobahn muss einfach unschädlich gemacht werden. Es ist fürchterlich laut, man versteht ja kein Wort“, beklagte sich Teilnehmer Julian. Das breite Interesse war offensichtlich. Die technisch spezifischen Fragen der vorgebildeten Teilnehmerin Aude Zingraff-Hamed konnten von der engagierten Führerin jedoch nur in Teilen beantwortet werden:
„Da sollten Sie mit den Architekten reden.“

Wissensdurst und kritische Fragen ließen auch nicht nach, als es zurück in den Konferenzraum ging, und die Aspekte „Wasserstress“ und „Wasserknappheit“ theoretisch beleuchtet wurden: Die Referentinnen Bruel und Gerboth von der Europäischen Akademie Otzenhausen stellten das Konzept „virtuelles Wasser“ vor.
Ein Ansatz, der verfügbare Süßwasserressourcen quantifiziert, Verteilungsungleichheiten von Region zu Region aufzeigt, und vor allem begreiflich macht, dass die Ressource Wasser nicht unbedingt erneuerbar ist. Wichtiger noch als kluges Wassermanagement durch die Administration, ist die Entwicklung eines individuellen Bewusstseins über den eigenen Wasserverbrauch. Im Alltag zählen dazu nicht nur der direkte Verbrauch am Hahn, sondern auch Konsumgewohnheiten: Für die Herstellung von Verpackungsmaterial wird Wasser gebraucht, auch wenn dies am Produkt nicht erkennbar ist.
Ein Ziel der Offensive „Nachhaltigkeit wagen“ der EAO ist es, bei der Bevölkerung ein Bewusstsein für die Endlichkeit der Ressourcen zu wecken. Und das rechtzeitig bevor diese im ökonomischen Sinne knapp und teuer werden, denn dann wird es mit großer Wahrscheinlichkeit zu spät sein, so das résumé des Workshops.

Wolf Keil studiert Französische Kulturwissenschaft und interkulturelle Kommunikation an der Universität des Saarlandes

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